Woche 1 in Island – ganz schön was los …

Hallo liebe Leser. Nun bin ich also in Island angekommen – sozusagen am Bestimmungsort meiner Reise. Eine Woche bin ich schon hier und es ist an der Zeit, diese Revue passieren zu lassen. Vieles konnte ich schon erleben, entspanntes … und weniger entspanntes … nun aber mal von vorne.

Angekommen bin ich nach einer ruhigen Überfahrt morgens um 8:30 Uhr in Seydisfjördur. Hat alles bestens geklappt und da weder Zoll  noch sonst irgend jemand etwas von mir wollte – dabei habe ich auf dem Schiff mühsam (naja, geht so 😉 ) noch alle Vorräte aus dem Bereich Milchprodukte und Frischfleisch vertilgt, dass ich auch ja keine wüsten Bakterien einschleppe und Island so ins Verderben stürzen könnte – war ich 5min später auf dem Parkplatz eines Supermarktes um Milchprodukte und Frischfleisch einzukaufen … der Dänische Joghurt ist vermutlich eine Woche vorher mit der gleichen Fähre gekommen … aber egal … ich habe mich an die Einfuhrregeln gehalten.

Wettertechnisch hielt sich die Freude im Rahmen – dies die Aussicht aus meinem Fenster:

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In den Ostfjorden sollte es am schnellsten besser werden, hiess es, und so habe ich mich auf den Weg dorthin gemacht.
Am nächsten Morgen – siehe da – Wanderwetter!

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Von Bakkagerdi aus bin ich zu einer 21km langen Rundtour aufgebrochen. es ging jetzt nicht wahnsinnig weit hoch – aber immer hoch und runter – insgesamt über 3 Pässe ging die Tour, in grandioser Umgebung.

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In der Nacht hat es in den höheren Lagen noch geschneit, aber wie gesagt, meine Tour geht nicht so weit hoch – da bin ich nur noch ein paar Altschneefeldern begegnet, welche sich langsam aber sicher in Wasser verwandeln.

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Der Weg war gemäss Karte markiert – die Markierung bestehend aus Holzpfählen war dann aber doch nicht immer sichtbar. Aber irgendwo habe ich Dank GPS auch immer mal wieder einen Pfosten getroffen.

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Die Wanderung habe ich gut zu Ende gebracht, auch wenn ich am Schluss fast noch um mein Leben bangen musste. Ein französisches Paar, welches mir entgegengekommen ist hielt sich einen 2m langen Stock auf dem Kopf und auf meine Frage, ob sie sich denn als Rentier verkleidet haben, sagten sie nur, es sei wegen den Vögeln. So viele Raben habe ich aber gar nicht gesehen – kann also nicht so ein grosses Problem sein, dass man sich derart aufführen muss … dachte ich … diese Angsthasen … ich hätte ihnen diese blöden Stecken lieber abgekauft … Auf dem Rückweg zum Campingplatz hatten nämlich die dort ansässigen Küstenseeschwalben mächtig etwas dagegen, dass ich dort – wohlgemerkt auf der Asphaltstrasse – langlaufe. Wird einem schon etwas mulmig zumute, wenn man plötzlich ein gutes Dutzend von den Vögeln über sich hat, welche sich im Sturzflug auf einen stürzen und einem unmissverständlich zu verstehen geben, dass man hier unerwünscht ist. Die Strasse war aber die einzige Verbindung – also musste ich da durch – wild mit den Armen über dem Kopf fuchtelnd … hat wohl auch nicht besser ausgeschaut als bei den Franzosen …
Für die Nacht habe ich mich auf einem Parkplatz von einem Hafen ganz am Ende der Strasse eingerichtet.

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Von diesem aus konnte man nach einem kurzen Spaziergang gut Vögel an der vorgelagerten Klippe beobachten … hiess es im Reiseführer … seufz … wenn die mich wiedererkennen, machen sie kurzen Prozess mit mir … es waren dann aber doch andere Gesellen …

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Sie fliegen zu sehen war echt lustig und irgendwie haben deren Landungen immer ausgesehen wie Bruchlandungen – einfach Füsse nach vorne und dann irgendwie hoffen, dass es schon irgendwie gehen wird und bremst – aber ich bin ja weder Pilot, noch Vogelkundler …

Am nächsten Tag ging es zurück nach Egilstadir und dann, nach einer weiteren Nacht endlich weiter ins Hochland. Das Wetter sollte gut sein und die Piste offen – also, los gehts. Das Ziel war, über die F910 nach Kverkfjöll zu fahren. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auf Schotter und einem Entspannungsbad in einem Naturpool ging es dann so richtig los:

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Wie beim Skirennen: biip, biip, biip, biiiiiiiiip … 4×4 eingeschaltet, ASR, ESP und all das Zeugs ausgeschaltet – los gehts!!

Die Landschaft war grandios und das Verkehrsaufkommen recht mager – 4 Fahrzeuge sind mir entgegengekommen und mit meinen Fotostopps, der langsamen Fahrweise und natürlich wegen meinem ausgedehnten Bad hat sich die Fahrt sehr in die Länge gezogen.

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Beim nächsten Abzweiger dann die Ernüchterung: Kverkfjöll noch 86km, Askja 54km … also nochmals 3-4h resp. 2-3h Fahrzeit. Ach ich lass das mit Kverkfjöll und fahre gleich zur Askja – über diesen Entscheid werde ich mich später noch verhalten freuen. Gesagt getan. Es ist enorm anstrengend, sich auf den Strassen im Hochland zu fahren, weil sich die Verhältnisse ständig ändern. Da schlängelt man sich um Lavabrocken, dann kommen tiefe, sandige Passagen – hatte Island nicht so sandig in Erinnerung – dann wieder Wellblech, dann wieder eine Furt usw. Das ist spannend und eindrücklich, aber man braucht eewig und es ist, wie gesagt, anstrengend.

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Bei der Askja angekommen, war dann auch erst mal gut. Der Stellplatz am Fusse der Askja ist sensationell. Schnell einchecken und was essen und das Licht geniessen …

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… das Licht geniessen, solange man es noch kann. Beim einchecken sagt mir die Dame – wohlgemerkt nach dem bezahlen – dass Sturm angesagt sei und ich doch schauen solle, dass ich mich vielleicht in Richtung des Sturms aufstellen soll. Wie schlimm? Sie sagt: Beim Kverkfjöll können es schon so um die 140km/h sein, da es dort gleich vom Gletscher runterkommt – hier bei der Askja, sei er vermutlich etwas schwächer. Ups! Ist ja gut, habe ich mir den Weg dahin gespart … Ich steh also da, schau auf die Fahne, die sich in alle Richtungen dreht – super – woher kommt denn nun der blöde Sturm? Ich stell mich dann halt irgendwie mal hin. Und schon nähert sich ein Ranger. Es sei Sturm angesagt und ich solle mich unbedingt in Richtung des Sturmes aufstellen – um grössere Schäden am Fahrzeug, hervorgerufen durch umkippen desselben, zu vermeiden. Ja, ich weiss, aber woher kommt denn nun der blöde Sturm? Er zeigt bedeutungsvoll in Richtung einer Senke – wenn er komme, dann aus dieser Richtung! Na gut, ich stelle mich also sicherheitshalber so auf, dass ich direkt in den Sturm schaue, wenn er kommt, dann von Angesicht zu Angesicht, jawoll!
Er kommt nicht – vorerst. Plötzlich windstill. Komplett. Fahne hängt runter und macht Flatterpause. War das jetzt alles nur Show? Mir soll’s recht sein. Ich mache mich bereit für ins Bett, da geht es plötzlich los. Aus dem Nichts fegt eine Böe über den Platz, nimmt die losen und leichten Bimssteine und schleudert sie auf den Sprinter – und das voll von der Seite – 3x6m gibt schon ein ziemlich grosses Segel – welches nun massiv hin und her schaukelt. Von wegen, der Sturm kommt von der Senke! Naja, wenigstens weiss ich nun anhand der fliegenden Steine, woher der Sturm kommt und stelle mich entsprechend auf – allerdings mit dem Heck gegen den Sturm – die andere Drehung zu machen habe ich mich nicht mehr getraut. Den weiteren Verlauf der Nacht fasse ich kurz zusammen: Es hat die ganze Nacht geblasen wie blöd, vor allem mit extremen Böen, die jeweils das Auto sandgestrahlt haben – es hat sich übel angehört und angefühlt. Geschlafen habe ich nur von 6 bis 9 Uhr morgens.
Für den Tag und die nächste Nacht sei nochmals Sturm angesagt – eventuell etwas weniger, aber eben … :

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Ohne mich! Askja hin oder her – blos weg. So kam es, dass ich nach einer Nacht schon wieder abgereist bin in Richtung Norden. Auf dem Weg hat man den Sturm schon wieder sehen können – Sand und Steinchen in die Luft wirbelnd.

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Gelandet bin ich in Asbyrgi auf einem Platz mit Büschen – so einen habe ich nun direkt vor mir – von Angesicht zu Angesicht – und geschlafen habe ich super, beinahe schaukelfrei und lange :-). Nun, 2 Tage später ist der Sturm endlich durch und ich kann weiter planen und weiter reisen. Jibii!! Mal schauen, was Woche 2 so bringt.

Ein Gedanke zu „Woche 1 in Island – ganz schön was los …

  1. Wieder mega spannend. Heb dir sorg und wieter so . . . Es sind übrigens Papageientaucher dini lustige Vögel. Grüessli Eli

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