Schnee … und so …

Ok, ich gebe zu, dieser Post kommt nun doch etwas verspätet. Aber wie es halt so ist, wenn man wieder mit arbeiten begonnen hat, rast die Zeit nur so an einem vorbei. Nun also, nach bereits einem Monat an der Arbeit, hier der Abschlussbericht zu unserer Marokkoreise – wie der Titel schon ahnen lässt, zeigt sich Marokko nochmals von einer ganz anderen Seite … viel Spass beim Lesen.

Nach unserem Abenteuer in der Wüste vom Erg Chegaga sind wir via Mhamid, Zagora, Taghbalt, Tazzarine und Alnif nach Tinghier gefahren. Immer schön der Wüste entlang, mit immer wieder tollen ausblicken.

In Tinghir angekommen haben wir uns zuerst auf dem Campingplatz installiert, gegessen und gewaschen – muss ja auch mal sein – und sind danach zu Fuss losgezogen um die Oase zu erkunden.

am nächsten Morgen dann, haben wir wieder unsere zwei kleinen Flitzer bereit gemacht um die Toudra-Schlucht zu erkunden.

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Vom Campingplatz ging es nun also mit gemässigter Steigung hinauf in Richtung des Schluchteinganges. Auf dem Weg dahin gibt es unzählige Restaurants und allgemein ist die touristische Infrastruktur sehr hoch, gegenüber dem, was wir bisher gesehen haben auf dem Land.

Nachdem wir gestern noch im T-Shirt gewaschen und Mittag gegessen haben, war es heute doch recht kühl und vor allem zugig und schattig in der Schlucht. Wir haben unsere Handschuhe und Mützen dann doch etwas vermisst.

Die Schlucht ist mal abgesehen von den Souvenirständen sehr imposant. Die Strasse schlängelt sich auf etwa einem Kilometer durch die Schlucht, die stellenweise auch nicht viel breiter ist als die Strasse selbst und die Felswände auf den Seiten wohl etwa 200m gerade in die Höhe ragen – ein Klettereldorado – wenn man all die Zuschauer mag – ich müsste also noch ziemlich üben, um mich nicht zu blamieren … 😉

Am oberen Ende angekommen scheint dann auch wieder die Sonne – Zeit, um sich wieder aufzuwärmen. Ebenfalls gleich oberhalb der Schlucht zweigt ein Weg nach links ab in die Berge – gemäss maps.me ein schöner Rundweg … der sich dann von einem Spaziergang zu einer kleinen Wanderung ausgeweitet hat. Man kann nämlich über den gesamten Bergrücken wandern und kommt unterhalb der Schlucht wieder raus.

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Auf der Wanderung geniesst man schöne Rundum- und Tiefblicke. Immer wieder spannend zu sehen, wie in der an sich kargen Landschaft alles grünt und blüht, sobald etwas Wasser vorhanden ist.

Am nächsten Tag ging es für uns weiter in Richtung Norden, denn der Abfahrtstermin der Fähre rückte unaufhaltsam näher. Da wir nicht nur auf der Hauptstrasse fahren wollten, haben wir einen kleinen Abstecher via Amellagou eingebaut. Eine absolut grandiose Landschaft hat uns erwartet. Hinter jeder Biegung etwas Neues. Durch Schluchten, Täler, über Berge und über Ebenen, die zum Teil einer Mondlandschaft geglichen haben.

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Es war recht kalt – also mit dem Wind zusammen, der doch ziemlich aufgefrischt hat sogar saukalt. Und dann immer mal wieder ein Regenguss. Spannend war da noch die Geschichte von dem Hirten mit seinen 3 Maultieren, der uns in einer Biegung entgegengekommen ist, freundlich gewinkt hat und als wir umgedreht haben, um ihm unseren Thermobecher mit heissem Tee bringen zu können – einfach verschwunden war – komplett, einfach weg, inkl. der Maultiere … hmm …

Die Geschichte vom Hirten hat uns wohl noch etwas beschäftigt – gesehen haben wir die Wolken, welche da auf uns zugekommen sind, ja schon – aber was soll schon passieren – wir sind ja in Afrika …

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… und die Transporteure fahren ja auch noch ein bisschen Stroh in der Gegend rum, also alles im grünen Bereich.

Übrigens spannend, wie diese LKW’s beladen sind – hinten und vorne ragt die Ladung jeweils mehrere Meter über das Fahrzeug hinaus und mit der Höhe müssen die Fahrer ihre Geschwindigkeiten in den Kurven genau im Blick behalten. Für mich überraschend, dass wir keine LKW’s auf der Seite haben liegen sehen … hmm … oder verschwinden die dann jeweils auch auf der Stelle? Man weiss es nicht … 😉

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Was uns die Wolken dann trotz Afrika beschert haben … Schnee! Zuerst nur mal einige cm, was aber gereicht hat, um ein kleines white-out zu fabrizieren. So haben wir dann also in Richtung Er-Rich die ersten Spuren gezogen. Alles kein Problem, vielleicht mit der Ausnahme, dass man die Schneeverwehungen nun auch nicht gesehen hat – aber dann umso mehr gespürt hat, wenn man unvermittelt in eine reingefahren ist.

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Schliesslich haben wir Er-Rich erreicht und von da aus sollten wir also wieder auf der Nationalstrasse in Richtung Midelt, Azrou und Meknes gelangen. Sollten. Ich muss hier mal festhalten, dass maps.me also eine super App ist für die Navigation – ich weiss nicht, ob es an der Marokko-Karte liegt oder an was anderem – auf jeden Fall sind die Höhen darauf nicht verzeichnet. Ich habe daraufhin mit meiner Veloapp – man ist ja ausgerüstet 😉 – unsere Route eingegeben und dann gesehen – ups – da geht es ganz schön hoch. Zuerst zwischen Er-Rich und Midelt und danach nochmals gröber in Richtung Azrou … ok, Azrou scheint ein Wintersportort zu sein, aber hey, wir sind in Afrika … so sind wir also in Richtung Midelt aufgebrochen.

Zum Schnee hat sich dann im Tagesverlauf noch Saharasand gesellt, was die Landschaft in zartrosa gehüllt hat, was sensationell ausgeschaut, aber so dermassen eine Sauerei gegeben hat, dass wir jetzt noch überall Sand auf und im Auto haben.

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Dann ging es erst mal los in Richtung vom ersten Pass. Mussten auf dem Weg noch einen Pickup aus dem Strassengraben ziehen und sind dann erst mal vor einer Schranke gestrandet. Diverse Fahrzeuge haben gewendet und uns Zeichen gemacht, dass wohl nichts mehr geht. Mit marokkanischem Fahrzeug – ich vermute mal zum Grossteil mit Vorderradantrieb, ohne Winterpneu und etwas überladen – hätte ich hier wohl auch das Weite gesucht. Aber da waren noch wir. Wir, heisst, dass vor uns auch noch ein Defender und ein Allrad LKW – aus Österreich und Deutschland glaube ich – über den Pass wollten. Wir sind dann so weit wie möglich vorgefahren. Nur, dann ging nichts mehr. Es war mittlerweile schon spät am Nachmittag und es war nicht erkennbar, ob der Pass bald aufgehen wird. Dazu kommt: Schnee und Sturmwind waagerecht von Rechts. Da ich mich auf dem Pass nicht einschneien lassen wollte, sind wir dann nach Er-Rich zurückgekehrt und haben auf einem Parkplatz übernachtet.

Zufällig bin ich diese Tage auf Youtube auf ein Video gestossen, wo ich gedacht habe – hmm, den kenne ich doch von irgendwo her – nein, es war nicht der Hirte … soviel Magic gibt es auch in Afrika nicht 😉 – aber es war der Fahrer des Defenders denen wir oben gefolgt sind. Deren Überfahrt hat er auf den folgenden Videos festgehalten: https://youtu.be/s_h1DxMHMhk und https://youtu.be/YaP7I_DX_nI

Am nächsten Morgen sind wir wieder früh los in Richtung Pass und konnten grad noch so unter der Schranke durchwischen. So dachten wir, nun schnell die wenigen Km über den Pass und dann weiter. Hat soweit gepasst, mit Ausnahme von „schnell“. Über den Pass war nur einspurig geräumt. Das hiess, im Konvoi über den Pass. Und das hiess auch, wenn einer nicht weiterkommt, kommen die nachfolgenden Autos auch nicht weiter. So nach ca. 2h haben wir dann die Passhöhe erreicht, wo dann auch erst mal wieder nichts gegangen ist. Hier oben hatte es nun etwa einen Meter Schnee. Wir mussten nun wieder warten und wussten nicht auf was und wie lange. Irgendwann hiess es, dass das Räumfahrzeug hoch kommt. Ok, ich gebe es zu – ich dachte, ein Räumfahrzeug in Afrika ist ein grösserer Handwagen mit einer Schaufel dran … wie soll der an uns vorbei, wenn wir auf der einzigen geräumten Spur stehen? Nun gut, ich wurde eines Besseren belehrt – gekommen ist eine Schneefräse, die gut und gerne auch in den Alpen eine gute Falle gemacht hätte. Die hat sich neben uns durch eine neue Spur in den Schnee gefräst und fertig. So geht das. Im Nachgang dann auch noch der Pflug. Als dann alles vorbei war ging es dann endlich wieder weiter.

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Das eine Problem haben wir dann also endlich gelöst – bleibt noch das andere: der Pass zwischen Midelt und Meknes. Meine Velotour hat mir verraten, der ist nochmals ein paar hundert Höhenmeter höher – na das kann ja heiter werden. Nach einem super Frühstück im Café Islam in Midelt und der Konsultation des Strassenzustandes in der inzwischen gefundenen marokkanischen App, haben wir uns entschlossen einen grossen, aber sicheren Umweg via Guercif nach Fes und Meknes zu nehmen. Was dann auch ganz gut funktioniert hat.

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Leider hatten wir in Meknes wieder etwas schlechtes und kaltes Wetter erwischt, so dass wir nur etwas in den Souks rumgelaufen sind. Diese sind noch einiges ursprünglicher als beispielsweise in Marrakech. Hier haben wir uns wieder mit frischen Oliven eingedeckt, einen Blick auf den Königlichen Golfplatz erhascht und auf einer spontanen Kutschenfahrt noch einiges Wissenswertes über Meknes erfahren.

Dem Parkplatzwärter, der auf einem Stuhl im kalten Regen gesessen ist und gefroren hat, haben wir dann noch den Thermobecher gegeben – natürlich mit frischem, heissen Tee – der hat sich gefreut :-).

Eine von unseren letzten Stationen war Chefchaouen – auch die „blaue Stadt“ genannt – ein nettes kleines Örtchen mit einem Campingplatz mit einer spannenden, steilen Anfahrt. Hier ist wirklich alles blau.

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Am Schluss ging unsere Tour via Tétouan wieder zurück nach Tanger Med auf unsere Fähre. Wir waren etwa 4h Stunden vor der Abfahrt am Hafen und haben diese auch gut gebraucht. Alle Autos wurden mehrfach untersucht, geröntgt, Pässe und Papiere kontrolliert, nochmals untersucht und nochmals Pässe kontrolliert … ein Papier mit einem wichtig ausschauenden Stempel habe ich jetzt noch zu Hause – keine Ahnung wozu dieser Fötzel genau gedacht war.

Fazit

Also auch, wenn wir im Nachhinein das Gefühl hatten, dass wir zwei-/dreimal für den einen oder anderen „Führer“ und die einen oder anderen „Guetsli“ etwas zuviel bezahlt haben – Marokko hat uns super gut gefallen. Freundliche Menschen, eine grandiose Landschaft und gutes Essen – was will man mehr. Wir kommen wieder!

 

Nun hat uns also der Alltag schon wieder erreicht, aber „nach der Reise“ ist ja bekanntlich auch „vor der Reise“ und so laufen die Vorbereitungen für den Sommer auch bereits wieder auf Hochtouren … 😉

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