Sand

Wir sind von Zagora südlich nach M’hamid gefahren, dort wollte ich mal so richtige Wūste sehen. Was man auf dem Weg dahin so begegnet ist schon erstaunlich – im Falle der Dachlast des vorausfahrenden Sprinters auch etwas beängstigend.

In M’hamid angekommen war zuerst einmal keine Düne sichtbar, weil sich die Düne Erg Chegaga noch etwa 40km weiter draussen befindet. Aber die Ausblicke von hier waren schon mal fantastisch.

In der Schweiz gibt es nun mal ja keine Möglichkeiten, das Fahren in Sand zu üben. Gleich wie im Schnee? Wie ich bald merken sollte, nein! Wir haben uns also einen Guide gebucht, der mit uns zur Düne und am nächsten Tag auch wieder zurück fährt. Das war auch gut so, denn aufgrund der vielen Spuren, hätten wir vermutlich das Camp in den Dünen nie gefunden – und eben – in Sand fährt es sich nicht wie auf Schnee. Nach ca. 5km hiess es dann auch erst einmal schaufeln!

Ganz schön fies so ein Weichsandfeld in einer Kurve und in einer Senke.

Noch ein paar Zweige untergelegt und so ging es nach ca. 30min wieder weiter … durch weitere kleinere und grössere Sandpartien. Dann aber plötzlich wurde es grün und wir waren auch plötzlich nicht mehr allein.

Nach ca. 5h Fahrzeit durch Sand- und Steinwüsten waren wir am Ziel angelangt – dem Ausläufer der Sahara Erg Chegaga.

Eine faszinierende Landschaft aus Formen und Kurven, die man auch erst so richtig deutlich bei tiefstehender Sonne sehen kann – resp. erst dann werden sie so richtig deutlich. Dazu kommt eine absolute Stille, als hätte man Watten in den Ohren. Mit der Buchung von unserem Guide haben wir auch ein rundum Wohlfühlpaket bekommen – mit Nachtessen, Frühstück … und der obligaten Schaukeltour … ist ganz schön hoch so ein Wüstenschiff…

Nach einer ruhigen und gar nicht mal so kalten Nacht ging es am nächsten Tag zurück nach M’hamid. Hier noch ein paar weitere Beispiele von einem super Ausflug.

Begeistert bin ich aber auch von meinem „neuen“ Basecamp. Ich hätte nie gedacht, dass man mit einem Kastenwagen und dem Werksallrad eine solche Strecke überhaupt fahren kann. Unsere Schaufelaktion zu Beginn der Tour, war ein Fahrfehler – der muss definitiv noch lernen … ;-). Hoffen wir mal, dass es nie so endet, wie der Links …

Wüste, Dromedare und Oasen

Nach den Tagen in Marrakech ging es im Schnellzugstempo weiter nach Süden. Auf den sehr gut ausgebauten Autobahnen mit wenig Verkehr ist das ganz entspannt möglich. Die Grösse von Marokko täuscht und die Distanzen sind grösser als ich es erwartet hätte. So haben wir auch auf eine Besichtigung von Agadir verzichtet und sind direkt weiter in den Süden gefahren.

Dies hat sich auch temperaturmässig bemerkbar gemacht. In Marrakech sind wir bei kühlen 8°C abgefahren und bei sommerlichen 26°C am Zielort angekommen. Wir haben in einer kleinen Oase übernachtet, so dass wir am nächsten Tag unsere erste Offroad Etappe nordwärts nach Tafraoute in Angriff nehmen konnten.

Die Route folgte dem Oued Tamanart und mündete danach in die Mansour-Schlucht. Auf einer Länge von etwas über 100km haben wir eine fantastische Landschaft erlebt. Vorbei an zwei frei ziehenden Domedarherden, einheimischen Berbern und uralten Felsritzungen sind wir am Schluss durch eine Oase gefahren. Für die Tour haben wir dann auch den ganzen Tag gebraucht – ein super Erlebnis.

Nach dem trockenen Tal sind wir, wie schon geschrieben, sozusagen mitten im Urwald gelandet.

Und am Schluss noch eine kleine Trainingsstunde im Steine schieben – sonst ja den ganzen Tag nichts gemacht … 😉

Da liegen vor Tafraoute plötzlich so überdimensionale Kieselsteine in der Landschaft …

Marrakech

Nach nun einigen Strandtagen machten wir uns auf, Marrakech zu erkunden. Von Essaouira aus, sind es etwa zwei Stunden Fahrzeit. Nach dem Ausschiffen in Tanger – siehe im letzten Blogbeitrag – habe ich mich auf Einiges eingestellt. Vor allem auf ein riesiges Durcheinander auf den Strassen. Ich war positiv überrascht, wie es doch ganz geordnet her- und zugegangen ist. Klar, es wird links und rechts überholt, die Markierung der Spuren und deren Richtungen sind wohl nur – hmm – als Empfehlung zu verstehen und man muss auf alles gefasst sein. Aber dann ist es eigentlich ganz ok.

Wir hatten uns auf einem Campingplatz etwas ausserhalb der Stadt installiert und nun noch einen halben Nachmittag Zeit, bevor es dunkel wurde. Also haben wir kurzerhand die Klappräder ausgepackt und sind – maps.me blind folgend – durch einige Souks mitten ins Zentrum der Stadt gedüst. Dabei haben sich die kleinen, wendigen Klappräder als super Transportmittel für die Erkundung der unzähligen kleinen Gässchen erwiesen.

Als Alternative zum Campingleben haben wir uns kurzentschlossen für eine Nacht ein Zimmer in einem Riad gebucht – mitten in der Medina. Damit konnten wir Marrakech in allen Facetten auskosten. Dazu gehörte natürlich der Besuch eines Hammams, in welchem man abgerubbelt wurde bis wortwörtlich die (Haut-)Fetzen geflogen sind.

In den Souks bekommt man alles und wir konnten, unbehelligt von irgendwelchen „Führern“ und nervigen Ladenbesitzern, durch die Altstadt bummeln. Auch das war für mich eine positive Überraschung.

Am orginellsten waren die Gewürzverkäufer, die einen beim Vorbeigehen sofort – didaktisch äusserst wertvoll – gefragt haben, was sie da wohl verkaufen. „What’s this?“ „What’s that?“ „Do you know this?“ – vermutlich haben alle die gleiche Verkaufsschulung genossen ;-). Hat man nicht aufgepasst, hatte man dann sehr schnell irgend eine Essenz auf die Hand appliziert bekommen :-D.

Nachdem wir nun so einige Tage in Marokko verbracht haben, gefällt mir das Land mit seinen netten und zuvorkommenden Menschen, seinem guten Essen zunehmend. Ich bin gespannt auf mehr.

Marokko im Regen

Das Einschiffen in Genua ging ja ganz geordnet von statten. Gaaanz anders die Ausschiffung in Tanger Med. Man stelle sich folgende Situation vor: Im Schiff drin etwa 10 lange Reihen von Fahrzeugen. Die zwei oder drei Reihen in der Mitte konnten aufgrund des Platzmangels nicht mehr wenden – stehen nun also mit dem Heck zum Ausgang. Soviel zur Situation. Nun wird also der Zugang für die Passagiere zum Parkdeck geöffnet und alle drängen sich wie irre die Treppen runter zu ihren Fahrzeugen. Als wir im Parkdeck angekommen sind, müssen wir uns den Weg zum Sprinter bahnen. Das war nicht einfach, weil erstens so eng geparkt ist und zweitens, weil schon viele hupend – weil, damit geht es viieeel schneller – in ihren Fahrzeugen sitzen und die engen Lücken mit gezielten Manövern noch enger machen. Nun wollen also ALLE GLEICHZEITIG runter vom Schiff und als wär das nicht schon chaotisch genug, versuchen sich die Fahrzeuge der 3 mittleren Spuren gleichzeitig auch noch in diversen Wendemanövern. Was ich noch vergessen habe – es gibt nur EINE Spur aus dem Schiff und die Mitarbeiter der Fähre stehen resigniert und belustigt am Rand und schauen zu :-D. Ehrlich gesagt, da habe ich mich schon mal gefragt, ob ich da überhaupt aus dem Schiff will …

Der Zoll danach war dann auch noch spannend – aber nach etwa einer Stunde und dem Auftreiben von irgendwelchen Stempeln ging es dann nach draussen, nach Marokko.

Nun ging es die Westküste runter, via Asilah, Moulay Besselham und Oualidia nach Sidi Kaouki südlich von Essaouira. Begleitet wurden wir vielfach von sintflutartigen Regenfällen, starken Winden und Eiseskälte.

Irgendwann war der ganze Klamauk dann aber doch vorüber und die Sonne setzte sich nach und nach durch.

Mein erster Eindruck von Marokko war etwas angespannt. Zum einen wegen des Wetters, was halt viele schöne Landschaften nicht so toll erscheinen liess, zum anderen hatte es zu Beginn sehr viel Plastikabfall überall rumliegen und zu guter letzt wollte mir auch noch ein Polizist ein Überfahren von einem Rotlicht anhängen, was er wohlgemerkt aus etwa 200m Entfernung beobachtet haben will – mein Stopp hat er komischerweise aber nicht gesehen … naja, weil wir dann nicht grad gekuscht sind und mangels Beweisen hat er uns dann mit der Ermahnung, dass man in Marokko keine Rotlichter überfahren darf – echt jetzt? – gnädigerweise wieder weiterfahren lassen. Hmm, ob das nun wohl so weitergeht?

Wie Burghild uns in Richtung Mittelmeer pustete

3.1. bis 6.1.2018

Gerade eben noch die Schneeschuhe an den Füssen vom Silvester in Darsiez, geht es nun also los Richtung Marokko. Sozusagen als Auftakt des Urlaubsjahres 2018. Und als wollte uns die Schweiz loshaben, starteten wir mitten im Sturm „Burglind“ – hat der Burglind geheissen? – naja, egal – auf jeden Fall hat der Vierwaldstädtersee ausgesehen wie vom Mixer aufgewühlt und der Seitenwindassistent hatte mächtig was zu tun.
Dann, schneelos in den Gotthard rein und auf der anderen Seite bei Schneegestöber und hohen Schneemauern wieder raus. Immer wieder spannend. Richtung Genua wurde der Schnee dann immer weniger und die Sonne dafür immer mehr. Heizung ausgeschaltet und Sonnenbrille aufgesetzt.
Nach einem kurzen abendlichen Stadtrundgang in Genua – natürlich mit einem Glacé tutto grande und molto bene oder so – und einer Übernachtung ging es am nächsten Morgen zum Hafen.
Afrika in Genua. Nach dem ganzen Kladeratsch mit Ticket da zeigen, Stempel da drauf, Formular hier ausfüllen, Formular umtauschen, Formular übrig haben und nicht wissen wohin damit konnten wir die Fahrzeuge und vorallem deren Dachlasten bestaunen. Keine Ahnung, wie man mit einem Auto fahren kann, dessen Dach und Kofferraum so vollgepackt sind, dass der vorne eingebaute Motor das leichteste Element im ganzen Fahrzeug zu sein scheint.
Dann ging es plötzlich los – eine Reihe nach der anderen hat sich in die Fähre verschoben. Als wir dann an der Reihe waren, hat doch noch ein Stempel gefehlt, auf einem Papier, welches wir bis jetzt nirgends zeigen oder abgeben mussten – vermutlich ein Souvenir – also schnell noch Stempel holen und dann ab in die schwimmende Metallkiste. Nun geht es in zwei Tagen via Barcelona nach Tanger. Spannend wird noch, wie wir wieder in unser Auto kommen. Dank präziser Einweisung der Fährmitarbeiter hat jedes Fahrzeug genau 10cm Luft vorn, rechts, links und hinten.