58°N

Wo war ich stehen geblieben?
Schon ist wieder eine Menge Zeit vom letzten Eintrag bis jetzt vergangen und wahrscheinlich ist dies der letzte Artikel von meinem Skandinavienabenteuer 2014, weil ich schon relativ weit nach Süden vorgerückt bin … oooooooohhhh …
Nun ja, nicht soo schlimm, aber nun geht erst mal von vorne los.
Nachdem ich mit der Fähre in Bodø angekommen musste ich mich etwas beeilen, damit ich rechtzeitig in Trondheim ankomme, um mich mit Doreen zu treffen, die mit Flugzeug und Bus in den Norden gereist ist, um noch ein paar gemeinsame Wochen verbringen zu können. So bin ich dann auf geplanten und ungeplanten Umwegen nach Trondheim gefahren. Auf einem ungeplanten, kleineren Umweg habe ich am frühen morgen auf 50km etwa 30 Elche gesehen, wow. Das sind schon riesige Tiere – zu Nahe möchte ich so einem also auch nicht kommen.
In Trondheim angekommen haben wir zuerst mal eine Stadtbesichtigung gemacht. Trondheim lebt, die Leute sind da und unterwegs. Hier gibt es schöne alte Häuser und neue Bauten, schöne Kafees und Hafenanlagen. Von einem Hügel mit Burg hat man zudem einen schönen Rundumblick. Hier würde es mir also definitiv auch gefallen … mal schauen … ;-).

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Das einzige Problem war aber, dass im ganzen Umkreis keinen Schnee mehr hatte und das ist, wenn man auf Skitour gehen möchte suboptimal. So sind wir dann nach Schweden rüber gefahren und haben etwas Schnee gefunden, aber auch den Wind, der einem schier vom Parkplatz gefegt hat. Nicht wirklich anmächelig, hier eine Skitour zu starten, zumal die Wetteraussichten eher noch schlechteres Wetter vorausgesagt haben. So blieb es bei einem kurzen Roadtrip durch schwedisches Gebiet. Zurück in Norwegen haben wir die alte Bergbaustädtchen Røros angeschaut. Mit den noch erhalten gebliebenen Häuschen konnte man sich das Leben damals so richtig vorstellen.

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Aber wir wollten ja auf Skitour. So sind wir in den Rondane Nationalpark gefahren und haben dort in Høvringen hinter einem Tante Emma Allerweltsladen für läppische 100Nok/Nacht übernachtet – mit Strom, Dusche, WC und eben Allerweltsladen gleich nebenan. Wir wollte hier eine Zelttour mit Pulka machen, aber der Wind war so stark, dass wir das Unternehmen abbrechen mussten. Das Hauptproblem war vielleicht nicht mal der Wind an sich, sondern den Schnee, den er mitverfrachtet. Der kriecht in jede Ritze und daher nicht schön. Zumal wir keine Möglichkeit hatten, das Zelt nachher auch wieder zu trocknen im Camper. Dazu kommt, dass es wirklich fast keinen Schnee am Boden gehabt hat.
So haben wir dann jeweils noch ein paar Tagestouren gemacht, was auch schön war. So sind wir dann unter anderem am Weiler Brekkesetter vorbeigekommen.

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In Sjusjøen oberhalb Lillehammer haben wir den Schnee dann doch noch gefunden und zwar reichlich. 3m waren es mindestens. Die Einfahrten zu den fast nicht mehr sichtbaren Häuschen waren richtige Täler.

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Foto: Doreen

Die Sicht hat allerdings zu Wünschen übrig gelassen. Es war meistens neblig und Ton in Ton weiss. Allerdings haben wir hier oben top präparierte Loipen angetroffen, die wir natürlich ausprobieren mussten. Schemenhaft sind dann jeweils Bäume und Flüsschen aus dem Nichts aufgetaucht.

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Foto: Doreen

Aber auch das war noch nicht Skitourengebiet. So sind wir nach Yddin gefahren, dem Startpunkt von unserer 6-tägigen Hütten-Ski-Tour. Endlich geht es vollbepackt los.

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Foto: Doreen

Am ersten Tag ging es querfeldein mit Kompass, Karte und GPS über ein verschneites und gefrorenes Moor und dann weiter durch lichten Wald. Nach ein paar Stunden, haben wir die erste Hütte für die Übernachtung erblickt – Haldorbu.

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Foto: Doreen

Die Hütten gehören alle dem DNT – der norwegische SAC sozusagen – und sind hier unbewirtschaftet. Alle haben aber Holz, Ofen, Gas und Gaskocher, sowie einen kleinen „Shop“ wo man ein paar Lebensmittel kaufen kann.
So war dann das Ritual meistens wie folgt: Eingang freischaufeln (2 von 5 mal), Brennholz zurecht machen, Ofen einfeuern und davor eine heisse Schokolade trinken. Richtig gemütlich.
Am nächsten Tag ging es hoch und Runter nach Storvelvbu, über super schöne Hochebenen und teilweise hat dann sogar die Sonne hervorgeschaut. Genial, wenn man hier so seine Spuren durch den unberührten Schnee ziehen kann.
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Den Eingang der Hütte musste man dann wirklich im grossen Stil freischaufeln.

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Foto: Doreen

Der stetige Wind verfrachtet so viel Schnee und zusammen mit den vergleichsweise milden Temperaturen um die Null Grad pappt der so richtig zusammen und bildet skurrile Verwehungen und packt die Hütten in ein weisses Kleid.
Von Storkvelvbu sind wir am Morgen drauf im Schneesturm in Richtung Storhœliseter aufgebrochen – der Steuerkurs im GPS und im Kompass eingestellt. Zum Glück kommt der Wind von hinten. Es sollte auch der Tag werden, an welchem wir 7 andere Menschen treffen. Wir haben vorher und auch nachher keine mehr getroffen!! Und auch in den Hütten waren wir nur einmal zu viert und sonst immer alleine. Super :-).
Die weiter Station war Oskampen. Die Hütte wartet gleich mit mehreren Gemeinheiten auf den Skitourengänger. 1. Die Hütte liegt auf einer Anhöhe. 2. Wenn man Luftlinie noch 2km von der Hütte entfernt ist, muss man etwa zusätzliche 3km um den Berg rumlaufen, um von hinten zur Hütte zu gelangen. 3. Steigt man von hinten zur Hütte hinauf gibt es etwa drei Absätze und bei jedem hat man das Gefühl, dass man aber jetzt die Hütte sehen sollte – nix da, man sieht sie erst, wenn man schon fast in der Küche steht. Da braucht es mentale Stärke … ;-). Aber wir werden mit einem schönen Ausblick belohnt.

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Unsere letzte Hütte Skirurusten erreichen wir bei schon fast frühlingshaften Temperaturen, was sich am nächsten Morgen durch eine harte Eisschicht auf dem Schnee bemerkbar macht. Darauf geht es aber in flottem Tempo vorwärts. Durch ein breites, offenes Tal gleiten wir dahin, in die Richtung der Büsche ganz weit vorne … als wir dann näher gekommen sind haben wir dann bemerkt, dass dies gar keine Büsche sind, sondern eine Rentierherde, welche hier ihr Futter sucht.

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Foto: Doreen

Wenn das nicht genial ist. Wir haben dann einen weiten Bogen um sie gemacht, damit sie keine Energie verschwenden, wenn sie vor uns flüchten wollen, was sie dann aber doch ein paar Mal gemacht haben. Aber irgendwann haben wir sie umrundet, so dass wir wieder zurück auf unsere Route konnten. Nachdem wir den pass erreicht haben sind wir in Richtung Yddin und zu unserem Camper zurückgekehrt, ohne jedoch einen Abstecher zum Skaget, dem Wahrzeichen der Gegend, auszulassen.

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Schön wars!
Nachdem ich Doreen zum Flughafen gebracht habe, bin ich weiter südlich gefahren. Auf einem Campingplatz habe ich die 600 Spikes wieder demontiert – die waren definitiv Gold wert – und glücklicherweise blieb die Luft überall in den Reifen drin … ;-). So geht es in den nächsten Tagen via Schwedens Westküste, Roskilde in Dänemark und Dessau zurück nach Hause. Auch wieder schön.
Vielen Dank an all diejenigen, die meinen Blog gelesen oder sich die Bilder angeschaut haben :-).